20.08.2009 Information: Lizenz zum Kinderhüten oder Qualitätssicherung in der Kinderbetreuung?

  • Veröffentlicht am: Aug 20, 2009

Die neue Kinderbetreuungsverordnung (KibeV), welche bis zum 15. September 2009 in der Vernehmlassung ist, wirft hohe Wellen und die Diskussionen in den Medien und am Stammtisch werden sehr emotional geführt. Den Verantwortlichen und dem Bundesrat wird die Verstaatlichung der Familien vorgeworfen.

Der Schweizerische Verband für Tagesfamilienorganisationen (SVT) wie auch der Verband Tagesfamilien Ostschweiz (VTO) begrüssen grundsätzlich die neue KibeV. Die jetzige Verordnung ist 32 Jahre alt und genügt den Anforderungen nicht mehr. Geschätzt werden an der neuen KibeV vor allem
• die verordnungsmässige Trennung von Adoption und Kinderbetreuung,
• die konsequente Weiterführung von meist bereits kantonal durchgesetzten Richtlinien und damit eine Angleichung der Kantone,
• die Begriffsdefinitionen – teilweise werden endlich auch veraltete Begriffe ersetzt,
• die Unterteilung in Tagesbetreuung und Dauerbetreuung,
• die Unterscheidung zwischen der Betreuung in Tagesfamilien und derjenigen in Einrichtungen innerhalb der Tagesbetreuung. Gemäss SVT und VTO beziehen sich die Medien jedoch nur auf drei umstrittene Punkte und verhindern somit eine sachliche Diskussion. Die Fachverbände nehmen in ihrem Newsletter KibeV vom 13. Juli 2009 zu den drei Punkten wie folgt Stellung:
• Es ist richtig, dass die Bewilligung für regelmässige Ferien bei Verwandten im Erläuterungstext enthalten ist. Diese Forderung wurde aber von niemandem aus der Begleitgruppe erhoben und wird darum kaum überleben. Die Begleitgruppe hat den Erläuterungstext nie im Detail diskutiert, sondern sich vor allem auf den Verordnungstext konzentriert. Fazit: Wir lehnen eine Bewilligungspflicht für Ferienaufenthalte bei Verwandten ab.
• Kinderfrauen (also Frauen, die Kinder im Haushalt der entsprechenden Familien betreuen) brauchen gemäss Erläuterungstext – nicht aber gemäss Verordnungstext – ebenfalls eine Bewilligung. Auch das ist unsinnig. Wichtig ist hingegen, dass diese arbeitsrechtlich korrekt angestellt sind und keine Schwarzarbeit toleriert wird. (Im Businessteil stellt Ihnen die Familienplattform Arbeitsverträge als Vorlagen zur Verfügung, siehe folgenden Artikel «Für unsere Mitglieder»)
Diese beiden erwähnten Punkte sind durch amtsinterne Missverständnisse in die Verordnung gekommen; die Begleitgruppe hat dies nicht gefordert.

• Viele Medienbeiträge wehren sich gezielt gegen die Anforderung, Pflege- und Kinderbetreuungsverhältnisse statistisch zu erfassen. Wir staunen: Wir wissen exakt, wer wo in welchem Hotel übernachtet hat. Wir wissen exakt, welche Schafe auf welcher Weide wessen Gras fressen. Wir wissen aber weder wieviele Kinder heute in Pflegeverhältnissen leben (Schätzungen gehen von 15‘000 bis 40‘000 Kindern aus), noch wieviele Kinder heute in Kitas, anderen Einrichtungen und in Tagesfamilien betreut werden. Sollten wir hier nicht irgendwann die Prioritäten anders setzen?