02.05.2007 Studie: Zufriedener als die meisten

  • Veröffentlicht am: Mai 02, 2007

Die Arbeitsbedingungen in der Schweiz sind ausgezeichnet. Dies zeigt eine internationale Studie. Nachholbedarf besteht hingegen beim Frauenanteil in Chefpositionen.

Gute Arbeitsbedingungen in der Schweiz

Jean-Daniel Gerber, Direktor des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco), zeigte sich heute anlässlich der Präsentation des Berichts erfreut: «Bei uns herrschen gute bis sehr gute Arbeitsbedingungen.» Im europäischen Vergleich ist denn auch die Arbeitszufriedenheit in der Schweiz mit 91 Prozent sehr hoch. Nur Norwegen, Dänemark und Grossbritannien liegen noch weiter vorn, wie die Studie belegt. «Attraktive Arbeitsplätze sind ein entscheidender Faktor im internationalen Standortwettbewerb», sagte Gerber.

88 Prozent der Befragten in der Schweiz geben an, dass sich ihre Arbeitszeiten gut oder sogar sehr gut mit familiären oder sozialen Verpflichtungen verbinden lassen. Im europäischen Durchschnitt sprechen nur 78 Prozent von einer solch guten Vereinbarkeit.

Fordern und fördern

Zudem nehmen überdurchschnittlich viele Erwerbstätige an finanzierten Weiterbildungen teil. Nur Finnland und Schweden liegen hier höher. «Es ist im Interesse der Arbeitgeber, die Mitarbeitenden nicht nur zu fordern, sondern auch zu fördern», sagte Thomas Daum, Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes. Nur mit attraktiven Arbeitsplätzen sowie mit motivierten und qualifizierten Mitarbeitenden könne die Schweiz im internationalen Standortwettbewerb bestehen.

Allerdings hängt dieser Wert deutlich von Geschlecht und Branche ab: Frauen und weniger ausgebildete Arbeitskräfte kommen deutlich schlechter weg. Dass Frauen im Arbeitsleben oftmals benachteiligt sind, ist nicht neu. Eine Teilzeit arbeitende Frau hat gemäss Erhebung einen längeren Arbeitstag als ein männlicher Vollzeitbeschäftigter.

Zu wenig Chefinnen

«Wohl am meisten hat mich überrascht, wie wenig Chefpositionen in der Schweiz von Frauen besetzt werden», erklärte Willy Buschak, stellvertretender Direktor der europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen. In der Schweiz geben nur 21 Prozent an, eine Frau als Vorgesetzte zu haben. Der europäische Wert liegt bei 24 Prozent. Dies dürfte auch damit zusammenhängen, dass nirgendwo in Europa so wenige erwerbstätige Frauen in Vollzeitstellen anzutreffen sind wie in der Schweiz. «Gerade Teilzeitarbeit erweist sich oft als Karrierekiller», sagte Doris Bianchi, Zentralsekretärin beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund.

Die Umfrage für das Jahr 2005 wurde in 31 europäischen Ländern durchgeführt. Der Bericht für die Schweiz wurde vom Seco in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nordwestschweiz erstellt. Zu den Hauptthemen gehören Gesundheit, Arbeitsorganisation, Arbeitszeit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Weiterbildungsmöglichkeiten.

Die Schweiz nahm zum ersten Mal an der europäischen Erhebung teil. Die europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen führt die Studie seit 1990 alle fünf Jahre durch. (sam/sda)