01.06.2006 Information: Lohnen sich Arbeit und Kinder noch?

  • Veröffentlicht am: Jun 01, 2006

Das Thema Geburtenrate ist in der Schweiz in aller Munde. Schweizer Frauen gebären im Durchschnitt noch 1.4 Kinder, Akademikerinnen sogar nur 0.8 Kinder. Die Situation ist alles andere als neu. Denn wie kürzlich ein Chefstatistiker des Bundes im Fernsehen sagte «es ist nicht nur so, dass heute die Kinder fehlen, sondern es fehlen bereits deren Mütter. Mit anderen Worten: Die Schweiz hat es verpasst, zur richtigen Zeit mit effektiven Massnahmen zu reagieren.»

Diskussionspapier «Arbeiten lohnt sich nicht – ein zweites Kind noch weniger»

Frauen wollen nicht auf Kinder verzichten, weil sie lieber arbeiten wollen. Das zeigen uns Länder wie Schweden oder die USA, wo Frauen häufiger arbeiten und gleichzeitig auch mehr Kinder gebären als in der Schweiz. Frauen wollen beides. Damit das gelingen kann, braucht es vielfältige Massnahmen, welche die Vereinbarkeit unterstützen. Langsam setzt sich in der Wirtschaft wie auch in einer breiteren Öffentlichkeit die Erkenntnis durch, dass sich Familienpolitik wirtschaftlich auszahlt – sowohl volkswirtschaftlich, wie auch betriebswirtschaftlich. Familienpolititk ist nicht mehr in erster Linie Sozialpolitik, sondern Wachstumspolitik.

Doch gibt es kaum finanzielle Anreize für Mütter, erwerbstätig zu sein – im Gegenteil. «Arbeiten lohnt sich nicht – ein zweites Kind noch weniger», so lautet der Titel eines Diskussionspapiers der St.Galler Professorin Monika Bütler. Sie zeigt auf, dass dies nicht zuletzt an der einkommensabhängigen Tarifgestaltung liegt, welche in vielen Krippen üblich ist. Am günstigsten ist die Krippenbetreuung für jene Frauen, die nichts verdienen, also für jene, die sie eigentlich nicht benötigen. Mit zunehmendem Einkommen – also auch mit zunehmenden Beschäftigungsgrad – wird die Betreuung teurer und mit dem zweiten Kind fast unbezahlbar. Anhand des gültigen Beitragsreglements der Stadt Zürich zur verschiedenen Familien- und Einkommenskonstellationen hat die Ökonomin dies berechnet.

Diskussionspapier von Prof. Monika Bütler als PDF